#scoop18: Das nehme ich vom Scoopcamp 2018 mit

Hamburg. Innovation. 4 Keynotes. 5 Workshops. Journalist*innen. Zum aller ersten Mal war ich bei der Innovationskonferenz „Scoopcamp“ von Next.Media Hamburg und der Deutschen Presseagentur (dpa), die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat. Die wichtigsten Infos, die ich von dieser Journalismus-Konferenz mitnehme, möchte ich euch hier weitergeben. Für einen noch visuelleren Einblick, könnt ihr euch auch das dazugehörige YouTube-Video anschauen:

Keynote 1: Jochen Wegner

Jochen Wegner wurde vor seiner Keynote zum Thema „Was sollen wir tun? Journalismus für das 21. Jahrhundert“ mit dem scoop-Award für seine herausragende, innovative Arbeit als Chefredakteur von ZEIT ONLINE ausgezeichnet.

Was ich besonders von seinem Talk mitnehme, sind zwei Dinge:

1.) Die Art wie die ZEIT ONLINE-Redaktion aufgebaut ist. Es gibt keine Konferenztische mehr, da die Praktikanten dadurch immer nur in der zweiten Reihe saßen. Dafür gibt es Sitzhocker, Post-Its und Zettel werden bei der Produktentwicklung auf einer Tischtennisplatte platziert. Außerdem gibt es keine Workshops, sondern sogenannte „Themen-Inseln“, die auch vom Praktikanten einberufen werden können. Das könnt ihr euch hier im Tweet anschauen:

2.) Die Menschen stehen im Vordergrund. Auf der Homepage von ZEIT ONLINE werden die User jeden morgen gefragt, wie es ihnen heute geht. Darauf können sie mit „Gut“ oder „Schlecht“ antworten. Danach können sie weitermachen und ein Keyword zu ihrer getroffenen Wahl angeben, zum Beispiel „Traurig“, „Deprimiert“, „Fröhlich“, „Begeistert“. Seit neustem ist es in einem dritten Schritt möglich, eine E-Mail-Adresse anzugeben. Manche User werden von der Redaktion kontaktiert und anschließend besucht. Dass die Menschen so eine wichtige Rolle einnehmen, wurde auch bei ihrem Projekt „Deutschland spricht“ deutlich. Außerdem, so Wegner, wurden nicht die Artikel mit mega Metaebene auf ihrer Homepage am besten geklickt, sondern die mit den persönlichen, menschlichen Geschichten. Zum Beispiel: Ein Sachse, der keine Frau findet oder eine alte Dame, die zum letzten Mal zum Bankautomaten geht, weil er geschlossen wird.

 

Keynote 2: Marius Thorkildsen

Als zweiter Speaker war Marius Thorkildsen, Digital Engagement Manager Schibsted. Sein Thema: „Converting casual readers into engaged subscribers: How Aftenposten have worked to reach a record number of digital news subscribers“. Die zwei wichtigsten Punkte aus seiner Keynote:

1.) Die User interessieren sich sehr für Naturkatastrophen, zum Beispiel ein starkes Unwetter, und wie es sich bei ihnen vor Ort auswirkt. Deshalb packen manche Medienhäuser die Artikel zu dem Thema hinter ihre Paywall, also Bezahlschranke, und sind damit recht erfolgreich. Eine Überlegung wert?

2.) Es gibt laut Thorkildsen drei Gründe, wieso Nutzer*innen Online nicht für journalistische Inhalte bezahlen:

  • Es gibt zu viele kostenlose Artikel im Internet, so dass sie nicht die Notwendigkeit sehen, bei einem Medienhaus zu zahlen.
  • Die Qualität der Inhalte ist ihnen nicht gut genug. Das Problem ist hier, so Thorkildsen, häufig, dass die Redaktionen super guten Content nur hinter die Paywall packen. Diejenigen, die nicht bezahlen, sehen diese qualitativ hochwertigen Beiträge aber nie. Sie müssten das Abo auf Verdacht abschließen. Dafür sind aber viele nicht bereit.
  • Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht. Die UX, also User Experience, ist also nicht gut genug.

Keynote 3: Nonny de la Peña

Wie ich euch auf Instagram vor der Konferenz bereits erzählt habe, habe ich mich besonders auf den Talk von Nonny de la Peña gefreut. Sie ist DIE Pionierin von Virtual Reality mit Journalismus und die Gründerin der „Emblematic Group„. In ihrer Keynote hat sie die super spannenden Beispiele gezeigt. Wenn ihr die etwas genauer, als in den hier eingebetteten Tweets, sehen wollt, könnt ihr beispielsweise oben das YouTube-Video nutzen. Von ihr nehme ich mit:

1.) Im Virtual- und Augmented-Reality-Bereich ist in Kombination mit Journalismus noch sooo viel möglich. Das schöpfen wir nicht ansatzweise aus aktuell.

2.) „Get women involved“, hat sie am Ende ihrer Präsentation gesagt. Ich persönlich habe dem nichts hinzuzufügen. Sie macht immer wieder die Erfahrung, dass die Branche sehr von Männern dominiert wird und wünscht sich mehr aktive Frauen.

Keynote 4: Sally Lehrman

Das Anliegen, das Sally Lehrman, Gründerin von „The Trust Project„, hat, passt perfekt zum Journarrator-Projekt. Und zwar gibt es das Problem, dass viele Menschen den Medien nicht mehr Vertrauen. Um sich wieder anzunähern und das Vertrauen zurückzugewinnen, rät sie Folgendes:

1.) „Sprecht mit den Menschen.“ Die persönliche Beziehung spielt in diesem Prozess eine ganz fundamentale Rolle. Dazu zählt auch, dass der Journalismus transparenter werden muss. Viele User haben nämlich auch Fragen an die Journalist*innen, wie sie auf einer Folie zeigt:

2.) Außerdem ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es nicht den einen User gibt, sondern sie alle unterschiedlich sind. So haben die Nutzer*innen beispielsweise auch eine andere Einstellung zu Nachrichten. Das ist für die Gespräche mit ihnen entscheidend.

Die Workshops und die Schlussdiskussion

Nach den vier Keynotes gab es zwei Sessions, bei denen insgesamt fünf Workshops zur Verfügung standen. Ich war bei „Neue Technologien und kreatives Denken im redaktionellen Alltag“ (Christian Heise & Kerstin Saathoff, Google News Initiative) und dem Anfang von„AR und VR als neue Werkzeuge für eine bessere Kommunikationsbasis“ (Matthias Kuhr, nextReality.Hamburg). Wieso nur am Anfang? Weil ich plötzlich einen wichtigen Termin in Hamburg bekommen habe, von dem ich dir an dieser Stelle aber leider noch nicht genauer berichten kann, da sich noch einiges entscheiden muss. Die Info bekommst du dann aber, sollte es wirklich etwas zu verkünden geben.

Für Infos zu den Workshops möchte ich dir einige Tweets der Teilnehmer*innen mitgeben:

„Von Ambient News und Heimatgefühlen – darum ist das HHLab kein StartUp, sondern ein StartDown“ (Soenke Schierer & Miriam Richter, HHLab NOZ digital)

„Neue Technologien und kreatives Denken im redaktionellen Alltag“ (Christian Heise & Kerstin Saathoff, Google News Initiative)

„My Country talks – wir entwickeln gemeinsam eine mobile App für politischen Dialog – ein Design Thinking Workshop“ (Holger Wiebe, Thomas Strothjohann, ZEIT ONLINE)

„AR und VR als neue Werkzeuge für eine bessere Kommunikationsbasis“ (Matthias Kuhr, nextReality.Hamburg)

„Was Verlage aus der Interaktion mit den Lesern lernen können – Articlescore und DataScience für erfolgreiche Inhalte (Manuel Conrad, Merkurist & Yannik Dillinger, Schwäbische Zeitung)

Die Abschlussdiskussion: Roland Freund (dpa), Joachim Dreykluft (sh:z), Thomas Schmidt-Broer (XING), Stefan Niggemeier (Übermedien) und Pia Frey (Opinary) redeten über wichtige Trends und Entwicklungen der Medienbranche, Moderation: Daniel Bröckerhoff 

 

Ausblick: Newsgames-Reihe dank Masterarbeit

Vielleicht liest du ja neben dem Blog auch noch meine sozialen Netzwerke. Dann ist die Nachricht hier für dich keine neue. Ich habe die Anmeldeunterlagen für meine Masterarbeit zum Thema „Newsgames“ – also Spiele für den Journalismus – beim zuständigen Dezernat der Hochschule Harz abgegeben. Das bedeutet: Ich habe jetzt fünf Monate Zeit, um die Masterarbeit zu schreiben. Deshalb wird es jetzt vor allem auf YouTube und Instagram, aber auch hier auf dem Blog, Twitter und Facebook eine „Newsgames-Reihe“ geben. Ich nehme dich mit in die Masterarbeit, erzähle dir genauer, was das für Spiele sind, wie Journalist*innen Nachrichten auswählen, und und und. Je nach Kapitel. Ich hoffe du begibst dich mit auf die Reise! Falls du schon einen ersten Einblick erhaschen möchtest: Vor einiger Zeit habe ich dir hier auf dem Blog mal aufgeschrieben, was Newsgames eigentlich so sind (Artikel: „Masterarbeit: Was sind Newsgames?“).


Du hast weitere Fragen oder Anmerkungen zum Scoopcamp 2018? Gerne. Kommentiere diesen Artikel, nutze das Kontaktformular oder meine Social-Media-Accounts als Anlaufstelle. Ich freue mich von dir zu hören.

Quelle Beitragsbild: Collage von Johanna Daher, die Rechte für das Scoopcamp-Logo liegen bei den Veranstaltern.

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